Deutsch (DE-CH-AT)English (United Kingdom)
 
Home
News
Career
Marcel's Schedule
Statistics
Results
Golfbag
Partners
Press
Guestbook
Gallery
Contact
 
  Suche:
We have 6 guests online

Country Sports Siem

European Tour

Home Press Press-Archive Welt.de (26.10.06)
 
Welt.de (26.10.06) Print E-mail

"Wenn die Kamerajungs hinter mir stehen, kommt erst der richtige Kick

Marcel Siem ist Deutschlands zweitbester Golfprofi. Vor dem Saisonfinale der Europa-Tour spricht Welt.de mit dem 26-Jährigen über die Erkenntnisse der zurückliegenden Spielzeit, das Verhältnis zu Bernhard Langer und seinen Lieblingsmoment.

von Florian Haupt

Vor 20 Jahren begann Marcel Siem Golf zu spielen. Seit September 2000 startet der Rheinländer auf der European Tour. In der aktuellen Geldrangliste liegt er nach 27 Turnieren mit 425.834 Euro auf Platz 56. Seine beste Platzierung erzielte er als Zweiter beim Omega European Masters in Crans-Montana/Schweiz. Vor zwei Jahren gewann er in Johannesburg/Südafrika mit den Dunhill Championship sein bislang einziges Profiturnier

WELT.de: Herr Siem, wie fällt Ihr Resümee vor dem Saisonfinale aus?
Marcel Siem: Die erste Saisonhälfte war sehr schlecht, die zweite sehr gut. Ich habe viel gelernt dieses Jahr, ein paar Backpfeifen bekommen, aber auch mal um den Sieg mitgespielt.


WELT.de: Gab es einen Schlüsselmoment für die Wende?
Siem: Am ehesten das Scandinavian Masters Anfang August. Ich hatte in der Woche zuvor in Hamburg den Cut verpasst und gab mit einem vierten Platz gleich danach die richtige Antwort. Der emotionale Tiefpunkt in Hamburg hat mich zusätzlich motiviert. Ich habe meinen Kopf selbst aus der Schlinge gezogen und mich mit dem zweiten Platz beim Omega Masters im September dann für die Volvo Masters in Valderrama qualifiziert. Es ist ein super Gefühl, in dieser Woche hier mitzuspielen.

WELT.de: Beim Omega Masters spielte Sie im Spitzenduo um den Sieg. Warum hat es nicht geklappt?
Siem: Darüber habe ich vorgestern erst mit Padraig Harrington gesprochen – ein sehr fruchtbares Gespräch. Beim Omega Masters war es so, dass mein Mitspieler Bradley Dredge gleich mit drei Birdies angefangen hat. Wie reagiert man darauf? In der Situation, so ein Turnier gewinnen zu können, war ich ja noch nicht so oft. Ich habe dann versucht, eine Art Lochspiel gegen ihn aufzuziehen. Aber es hat nicht funktioniert.

WELT.de: Was hat Harrington gesagt?
Siem: Dass man sich auch in der letzten Runde für den Mitspieler freuen sollte – auf den ersten 13 Löchern. Sich mitziehen lassen, ein Polster auf den Drittplatzierten aufbauen und sich dann vor den letzten fünf Löchern sagen: „Okay, jetzt rupf’ ich dich!“ Ich habe das bisher immer als Duell gesehen, eher wie „Monty“ (Colin Montgomerie – d.R.). Er ist auch so ein Mensch, der will seinen Mitspieler fertig machen. So bin auch ich eher gestrickt: Ich mag meine Kollegen sehr gern – nur irgendwo hört der Spaß auf. Jetzt werde ich aber mal über Harringtons Ansatz nachdenken. Ein Turnier wird erst auf den letzten Löchern entschieden.

WELT.de: Holen Sie sich öfters Tipps von den Topstars?
Siem: Es gibt nicht viele Spieler, die so offen sind wie Harrington, aber ich tue das, wann immer es geht. Ich bin ja erst 26. Wenn ich also ihn sehe, oder „Monty“ oder John Daly oder Michael Campbell, und eine Frage habe, dann stelle ich die. Da breche ich mir keinen Zacken aus der Krone. Ich glaube, die Jungs finden das auch ganz okay: Dass einer auch nach ein paar Jahren auf der Tour noch Respekt hat. In dem Moment, in dem ich frage, stelle ich mich ja schon eine Stufe unter sie. Und dann lassen sich mich auch lernen.

WELT.de: Woran lag denn der schwache Saisonstart?
Siem: Ich habe falsch trainiert. Ich hatte meinen Schwung zu extrem geändert. Dann gleich ein paar Cuts verpasst und das Selbstvertrauen verloren. Ich bin in einen Sog gekommen, der mich immer weiter nach unten gezogen hat. Man darf einfach nicht zuviel an der Technik herumhantieren. Sonst verliert man sein Gefühl.

WELT.de: Mittlerweile spielen Sie mit einem langen Putter.
Siem: Den werde ich auch erst einmal behalten, er hat ja ganz gut funktioniert. Ich habe den Dingern lange skeptisch gegenüberstanden, aber Harrington sagt: „Warum nicht? Der ist erlaubt, du pfuscht damit nicht. Also benutze ihn!“

WELT.de: Weitere Erkenntnisse?
Siem: Der Umgang mit Kälte und Wind. Ich habe dieses Jahr so ziemlich alle Cuts in England, Schottland und Irland verpasst, weil ich versucht habe, meine Technik zu ändern und den Ball flacher zu schlagen, damit er nicht so windanfällig ist. Aber Harrington (lacht), Harrington hat mich gestern gefragt: „Was machst du da eigentlich für einen Schwachsinn?“ Er trainiert normalerweise wie ein Verrückter, aber bei schlechtem Wetter, sagt er, trainiert er in den Tagen vor einem Turnier gar nicht. Und er gewinnt solche Turniere oft. Bei Kälte muss man sich auf sein Feingefühl verlassen.

WELT.de: Haben Sie auch im mentalen Bereich dazugelernt?
Siem: Ich kann nur Harrington zitieren: „Man geht über die Driving Range, guckt sich einen anderen Spieler an und denkt: Wow, der ist perfekt drauf, der ist 100-prozentig fit, der fühlt sich gut – der gewinnt das Turnier diese Woche. Aber während der andere da steht, sieht er mich entlang laufen – und denkt genau das gleiche über mich.“ Die Lehre also: Man soll sich nur auf sich konzentrieren. Man kann niemanden kopieren und muss seinen eigenen Weg finden. Das möchte ich noch mehr tun.

WELT.de: Wo führt Ihr Weg hin? Bernhard Langer wird sich nach der nächsten Saison wohl zu den Senioren zurückziehen. Sind Sie darauf vorbereitet, das Gesicht des deutschen Golfsports zu werden?
Siem: Erst einmal gönne ich Bernhard noch einen Sieg, bevor er abtritt. Vielleicht ja schon beim World Cup (Teamwettbewerb Anfang Dezember – d.R.). Da spielen wir miteinander, weil wir zum Meldezeitpunkt die zwei besten Deutschen in der Weltrangliste waren. Das wären meine ersten Runden mit Bernhard Langer. Da kann ich noch eine Menge lernen. Vielleicht ist er etwas gesprächiger als sonst.

WELT.de: Wie ist er sonst?
Siem: Ich habe noch nie richtig mit ihm reden können. Er ist immer sehr konzentriert, da hat man kaum eine Chance. Aber er ist halt so. Ich würde es nie wagen, ihn dafür zu kritisieren. Er hat so viel erreicht.

WELT.de: Bald müssen Sie die Hoffnungen auf deutsche Erfolge schultern?
Siem: Regelmäßig vorn mitspielen, die Leute in Deutschland für Golf begeistern – die Herausforderung nehme ich an, das Gepäck kann ich tragen. Ich hoffe nur, dass ich auf Bernhards Spuren allmählich zu Potte komme und ein paar Turniersiege einfahre. Denn dafür bin ich ja Golfprofi: Um vorn mitzuspielen, für das Adrenalin, um die Fernsehkameras am Sonntag auf mich gerichtet zu haben.

WELT.de: Stört das nicht eher?
Siem: Nein, die Konzentrationsphase ist vielleicht etwas länger, denn gerade dann will man keine Fehler machen. Wenn die Kamerajungs hinter mir stehen, kommt erst der richtige Kick. Den will ich nächste Saison nicht nur zwei-, dreimal haben.

WELT.de: Nächstes Jahr bekommen Sie auf der Europa-Tour Unterstützung vom 21-jährigen Martin Kaymer, der auf der Challenge Tour zuletzt überragend spielte?
Siem: Es ist gut, noch einen deutschen Spieler auf der European Tour zu sehen, und wir haben mit Günther Kessler den gleichen Trainer. Ich freue mich sehr auf ihn.

 
 

 

TEETIMES


NEXT TOURNAMENT

BMW PGA CHAMPIONSHIP
GC Wentworth, Surrey
England

24.-27.Mai 2012


RANKING

19.  Rank Race to Dubai
133.Worldranking


Aktuelle Statistik:

10.4.2012

Stroke Average

70,04

Driving Distance

293.79 y

Driving Accuracy

51.13

Scrambles

56 %

Greens i. regulation

73.68 %

Putts per GIR

1.73

Average by Putts

29,63