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Rheinische Post (6.12.06) Print E-mail
"Marcel Siem will angreifen "
von Dieter Koditek

Der Ratinger Golfprofi nimmt ab morgen am World Cup auf Barbados teil. Sein Partner in dem Wettbewerb der 25 weltbesten Zweier-Teams ist Bernhard Langer.

Es gibt Schlimmeres, als in dieser grauen, feuchten Jahreszeit nach Barbados zu fliegen, um dort mit Bernhard Langer ein paar Runden Golf zu spielen. Das fand auch Marcel Siem und machte sich Ende voriger Woche auf den Weg zu der schönen Karibik-Insel, wo der Ratinger Profi von morgen bis Sonntag am World Cup für Zweier-Teams teilnimmt - mit Langer als Partner.

Worauf sich der 26-Jährige besonders freut, ist seine erste intensive Begegnung mit Deutschlands bestem Golfer aller Zeiten, dem er größten Respekt zollt. „Das ist schon etwas Besonderes“, sagt Siem, „für mich der Höhepunkt des Jahres, mit dem Ryder-Cup-Kapitän und zweimaligen US-Masters-Sieger ein Team zu bilden.“

Bisher hat er den 49-jährigen Schwaben lediglich relativ flüchtig kennengelernt. Jetzt kann er ihm erstmals aus nächster Nähe auf die Finger schauen und sich Ratschläge geben lassen - was er auch zu tun gedenkt. „Von ihm kann ich mir bestimmt noch einiges abgucken“, meint Siem, der immerhin der zweitbeste Golfer hier zu Lande und die Nummer 50 in Europa ist. Nachdem es in der ersten Jahreshälfte auf der European Tour nicht nach Wunsch gelaufen war, hat der Ratinger im Jahres-Finish erheblich zugelegt und noch drei Top-Ten-Platzierungen erreicht, neben dem 13. Rang bei der BMW International Open in München.

Ermutigend im Hinblick auf seine weiteren Ziele war vor allem der neunte Platz beim Saisonfinale im spanischen Valderrama, mit dem er sein Prämienkonto 2006 auf 493956 Euro erhöhte. Wenn er diese Woche auf Barbados mit Bernhard Langer gut harmoniert, kann der blonde Schlaks sich noch ein erkleckliches Weihnachtsgeld hinzuverdienen, denn der World Cup, an dem die laut Weltrangliste 25 besten Zweier-Teams teilnehmen, ist mit vier Millionen Dollar dotiert, wovon 1,4Millionen auf die Sieger entfallen. Gespielt werden abwechselnd an je zwei Tagen Vierball-Bestball und Klassischer Vierer.

Dass es in der ersten Jahresphase nicht besonders lief und der Ratinger so manchen Cut (Qualifikation für die beiden Schlussrunden) verpasste, führt Siem in erster Linie darauf zurück, dass er eine schon im vorigen Jahr begonnene Umstellung seines Schwungs nicht hinbekommen hat. „Das hat auf Dauer auch mein Selbstvertrauen beeinträchtigt, und so bin ich wieder zu meiner alten Technik zurückgekehrt“, bekennt er. Geholfen hat ihm dabei sein Neusser Heim-Trainer Günter Kessler, bei dem auch der neue Komet am deutschen Golf-Himmel, Martin Kaymer, in die Schule geht. Wenn Siem auf Reisen ist, beschränkt sich die fachliche Unterweisung in der Regel auf regelmäßige Telefon-Kontakte. Nur im Notfall, so Siem, werde Kessler auch mal eingeflogen.

Auf die bevorstehende Saison, in die er am 10. Januar in Südafrika einsteigen wird, freut sich der junge Mann aus Ratingen auch unter dem Aspekt, dass er 2007 nicht mehr als deutscher Einzelkämpfer auftreten muss. Neben Kaymer haben noch Sven Strüver und Alex Cejka die europäische Tour-Karte erworben, wobei Letzterer wohl wieder weitgehend auf der US-Tour starten wird, nachdem er sich auch dafür erneut qualifiziert hat.

Eine Lehre hat Marcel Siem - gemäß dem Motto: Aus Schaden wird man klug - aus der jüngeren Vergangenheit gezogen: „Ich muss aggressiver spielen, wie es meiner Mentalität entspricht.“ In diesem Jahr habe er so manche Siegchance, vor allem bei den Turnieren in Schweden und in der Schweiz, dadurch vergeben, dass er zu defensiv, zu vorsichtig zu Werke gegangen sei. „Ich muss stärker daran glauben, dass ich gewinnen kann, und mich ganz darauf konzentrieren.“ In der Hinsicht hat Bernhard Langer bestimmt einige Tipps parat.

 

 
 

 

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